Reaktionen auf den Entwurf vom Juni 2017

Zum Titel
Ein Bekennntnis für unsere Zeit
Ich würde auf den Begriff „postmodern“ auch mit Anführungs- und Schlusszeichen verzichten. Er bringt keine Klärung und nur diffuse Assoziation.

Zum Ingress
„uns zuverlässig lehrt“ ist zugänglicher als „kund tut“

Zu 1.
„was der Idee menschlichen Fortschritts entspricht“
Mich dünkt, hier gehöre ein Genitiv hin.

Zu 2.
„was aktuell zu begeistern vermag“

Zu 3.
Ich verstehe hier das Argument nicht. In wie fern ist es entscheidend, ob jemand sich etwas „über alles Verstehen Trostreiches gewünscht hat“?

„was eigentlich das natürliche Bedürfnis“
Auch die Vertreter dieser Position würden vielleicht zugeben, dass dieses Bedürfnis vielleicht nicht ganz offensichtlich ist.

Zu 4.
„Mit der Bitte um den Heiligen Geist wollen wir danach streben“
Das dünkt mich bescheidener als die Deklaration „Geleitet vom Heiligen Geist“

die das Bibelwort einem philosophischen oder theologischen Vorverständnis unterwerfen oder innerhalb eines weltanschaulichen Konzeptes auslegen“
Bei den Vorverständnissen geht es ja um die grundsätzlich hermeneutischen Grundfragen, bei den weltanschaulichen Konzepten mehr um die bewusste Wahl einer weltanschaulichen Position (also z.B. grüne Exegese, fem. Exegese, etc.)

Zu 5.
„den Ruf zur individuellen Selbstverwirklichung herauslesen“
Damit klar ist, dass hier das moderne „Selbstverwirklichungsprogramm“ gemeint ist.

Zu 6.
Gibt es einen Grund, weshalb hier nur die organische Welt eine Rolle spielt?

„was uns leiblich gegeben ist“. Ich glaube, der Begriff „naturhaft“ ist problematisch.

Zu 7.
„dass die Zusagen des Evangeliums bloss innerweltlich zu verwirklichen“
Ansonsten lehnt dieser Satz kategorisch ab, dass es Zusagen des. Evang. gibt, die sich innerweltlich verwirklichen. Es gibt ja auch die Zusage „ihre werdet gehasst werden um meinetwillen“ – das ist doch innerweltlich gemeint. Vielleicht löst sich meine Frage auch, wenn man anstatt Zusage Verheissung schreibt.

„zu verwirklichen sind“ hier steht sonst – im Unterschied zur Ablehnung der gegnerischen Positionen in den anderen Abschnitten – ein Konjunktiv.

Zu 9.
„weiter mehren.“
Ist sachlicher und tönt weniger moralisierend.

Zu 11.
„dass Jesus Christus“ – es hat ja nicht „nur“ der Christus gelitten.

Zu 13.
„fundamentalistische Rechthabereien überwinden, indem sie das Bibelwort relativieren.“
Dann kann man das zweimalige „dadurch, dass“ verhindern, das mich sperrig dünkt.

Zu 15.
„vergangenen Zeiten“ denn „Zeiten der Gnade“ dünkt mich für eine Beurteilung einer nachbiblischen Zeit zu stark.

Zum Bibelvers:
Der „Einziggeborene“ (Zürcher Übersetzung) ist besser verständlich als der „Eingeborene“ (dieses Wort hat heute eine andere Bedeutung).

Zum Eingang:
Es ist ungeschickt, wenn ein Glaubensbekenntnis negativ beginnt ( „Wir glauben nicht“). Besser wäre:

Wir glauben, dass wir durch Vernunft oder Gefühl nicht zu fassen vermögen, woher wir unser Dasein haben, und dass wir wissen können, was nach dem Tod auf uns wartet.

Zu Punkt 10:
Die Aussage, dass Gott sich (als Reaktion auf unsere Sünde) abwendet, ersetzen mit der Aussage, dass wir uns von Gott abgewendet haben:

Den offenen Sünden soll man widerstehen und der Gerechtigkeit allweg beistehen Wir bekennen, dass wir uns an Gott versündigen und wir uns damit von ihm abgewendet haben.

Die Diskussion ums Bekenntnis finde ich ausserordentlich wichtig und ich hoffe, dass sich auch jüngere Kollegen dafür interessieren.
Es wird nicht einfach sein, den Text unter die Leute zu bringen. Als Bekenntnis im Gottesdienst ist er zu detailliert, als „Bekenntniss-Schrift“ vielleicht eher knapp –  aber inhaltlich habe ich kaum etwas auszusetzen.

 

Zu 2, „wir glauben nicht“: Vor der „charismatischen Erfahrung“ müsste es heissen: …und dass autonom-menschliche Vernunft, charismatische Erfahrungen, persönliche Entscheidungen“ etc.
Begründung: Verstandesmässige Ideenkonstrukte und Schlüsse sind hier eine ebenso grosse Gefahr. Ich störte mich auch an der an erster Stelle genannten „charismatischen Erfahrung“ gerade im Zusammenhang von Niklaus von Flüe und möchte auch keiner zusätzlichen Grabenbildung Vorschub leisten (u.a. von „charismatischen“ und „konservativen“ Christen). In der Zusammenstellung mit der schon lange zum Götzen erhobenen Vernunft könnte ich es bejahen.

Zu 5., letzte Zeile: Es müsste „blosse Selbstverwirklichung“ ergänzt werden.
Begründung: Selbstverwirklichung ist nicht nur schlecht, so wie Selbstverneinung nicht nur gut ist (oder umgekehrt). Jesus sagt, wer sein Leben um seinetwillen verliert, der würde es finden, immerhin, während der, der es alleine für sich zu finden und selbstbezogen festzuhalten versucht, es verlieren wird. Das Thema ist komplex und kann nur mindestens dialektisch unter Beachtung der verschiedenen Blickwinkel vor Missbrauch geschützt werden.

Vielen Dank für die Kenntnisnahme! Ich wünsche Euch viel Weisheit und Gelingen im Ringen um die Formulierungen, die von Gott her für unsere Zeit richtig und notwendig sind!

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