| "Ein dankender Gott" Wachenacht 30. September - 1. Oktober 2000 Ansprache P. Josef Banz Lesung: Apk 21. 1-5a "Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron sass, sprach: Seht, ich mache alles neu.' Joh 15. 13-15, 18 20-21 "Jesus sprach zu seinen Jüngern: Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine grössere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht grösser als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten. Das alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat." Ansprache: In der Lesung hat uns Johannes einen Blick in den Himmel tun lassen. Im Evangelium macht Jesus seine Jünger auf Leiden und Verfolgung aufmerksam. Er sagt zu ihnen, es werde ihnen nicht besser gehen als ihm. Denn der Jünger stehe nicht über seinem Meister. Heute gehen wir auf ein nächtliches Erlebnis von Bruder Klaus ein, das mit der Herrlichkeit des Himmels und mit dem Leiden des Gottessohnes zu tun hat. Visionen sind zunächst sehr persönliche Erlebnisse und können nicht auf andere übertragen werden. Aber sie können uns zum Nachdenken anregen. Nachdenken wollen wir heute über die Vision von der Danksagung. Bruder Klaus wurde sie geschenkt in der Zeit nach seinem Abschied. Damit wir die Vision besser verstehen, ist eine Vorbemerkung fällig. Nach 18 glücklichen Ehejahren, nach dem 48. Lebensjahr kam eine grosse Not über Niklaus von Flüe. Gottes Ruf drang nochmals mit aller Eindringlichkeit in seine Seele: "Verlass alles, auch Frau und Kinder und gib Dich mir zu eigen". Später berichtet er von dieser Zeit: "Ich war so tief niedergedrückt, dass mir selbst die liebe Frau und die Gesellschaft meiner Kinder lästig fielen". Er besprach seine Not mit Frau Dorothea und holte Rat bei befreundeten Priestern. Nichts konnte seine Dunkelheit aufhellen. Da riet ihm Pfarrer Heimo Amgrund, er solle doch das Leiden Christi betrachten. Klaus liess sich einführen in diese neu aufkommende Gebetsform. Im Rhythmus der Brevier-Horen wurden der Reihe nach einzelne Begebenheiten der Leidengeschichte Jesu betrachtet. Niklaus von Flüe hatte sich bereits von den Ämtern im Staat zurückgezogen. Nun suchte er vermehrt die Stille auf, zum Beispiel im Ranft, und verband sein eigenes Leiden mit dem Leiden Christi. Nur seine Frau wusste davon. Diese Betrachtung des Leidens Christi gab ihm mit der Zeit die innere Ruhe zurück. Sie begleitete ihn durch all die Jahre, die er als Eremit im Ranft verbrachte. Nach dieser Vorbemerkung lassen wir nun die Vision von der Danksagung auf uns wirken, so wie Kaspar Ambühl sie uns aufgeschrieben hat: "Ein Mensch (Bruder Klaus) unterbrach den Schlaf um Gottes und um seines Leidens willen. Es dünkte ihn, dass einer zur Tür hereinkäme, mitten im Haus stünde und zu ihm sagte: "Komm und sieh deinen Vater und schau, was er tut"- und wie er schnell in einen schönen Tabernakel in einem weiten Saal käme. Darin sah er einige Leute in weissen Kleidern wohnen. Der, der ihn gerufen hatte, war bei ihm, stand an seiner Seite und redete für ihn, wie es ein Fürsprecher macht. Dieser hielt seine Rede und sagte: "Hier ist jener, der dir deinen Sohn getragen und geboren hat und ihm zu Hilfe gekommen ist in seiner Angst und in seiner Not. Danke ihm für das Seine." Wer ist der Sprechende? Bruder Klaus sieht ihn nicht, hört ihn nur. Da kam ein schöner, stattlicher Mann durch den Palast dahergeschritten in einem weissen Kleid wie ein Priester in einer Albe. Er legte ihm seine beiden Arme auf seine Schulter, drückte ihn an sich und dankte ihm mit der ganzen inbrünstigen Liebe seines Herzens, dass er seinem Sohn so wohl zu Hilfe gekommen war in seiner Not. Dieser Mensch erschrak sehr darüber und bekannte sich unwürdig und sagte: Ich weiss nicht, dass ich deinem Sohn je einen Dienst erwiesen habe. Da verliess er ihn, und er sah ihn nicht mehr. Das mit Rot besprengte Kleid des Sohnes greift wohl das Bild aus der Geheimen Offenbarung auf, wo Johannes den Messias und Richter mit einem blutgetränktem Gewand sieht (Apk 19. 13). Er blickte an sich selbst herunter und sah, dass er auch ein weisses Kleid trug, besprengt mit Rot wie der Sohn. Das verwunderte ihn sehr, und er wusste nicht, dass er es angehabt hatte. Schnell fand er sich selber an der Stelle, da er sich hingelegt hatte, so dass er nicht meinte, dass er geschlafen hätte. Amen."
2. Was bedeutet es, wenn Gott dankbar ist?
Es gibt Situationen im Leben, da uns der Dank eines Mitmenschen ehrlich freut. Zum Beispiel der Dank des Ehepartners für eine versteckte Aufmerksamkeit, oder der Dank des Arbeitsgebers an einen Mitarbeiter, des Lehrmeisters an den Lehrling, des Lehrers an den Schüler, des Vereinspräsidenten an ein Mitglied. Pater Josef Banz Dorfstrasse 13, Postfach 126, CH-6072 Sachseln
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