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"Gehorsam"
Predigt
aus Hebräer 5,5 - 10
im Gottesdienst
am 1. April 2001
im Basler Münster
(In der Reihe "Von Liebe wegen":
Bruder Klaus schreibt an den Rat von Bern)
Lesung: 1. Mose 22,1 - 19
Pfr. Dr. Bernhard Rothen
So hat auch Christus sich nicht selbst die Ehre beigelegt, Hoherpriester zu werden, sondern der, der zu ihm gesagt hat (Psalm 2,7): "Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt." Wie er auch an anderer Stelle spricht (Psalm 110,4): "Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks." Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden, genannt von Gott ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.
Hebräer 5,5 - 10
I
Liebe Gemeinde!
Gehorsam - das musste Jesus lernen, sagt der Hebräerbrief. Gehorsam sein: das konnte er nicht immer schon. Er hat es hier auf Erden gelernt.
Jesus ist der Sohn Gottes, und als solcher musste er nicht gehorchen. Von Ewigkeit zu Ewigkeit ist er dem Vater gleich. Was der Vater weiss, weiss auch er. Er kennt die verborgenen Zusammenhänge und versteht, warum dies oder jenes geschieht. Der Sohn Gottes muss nicht gehorchen. Er kann einsehen, einwilligen, mitbestimmen. Aber hier auf Erden, in seinem Leibesleben, sagt der Hebräerbrief, wollte er lernen, was irgendwie noch mehr ist: gehorchen.
Gehorsam, schreibt Bruder Klaus in seinem unscheinbaren und doch so tiefsinnigen Brief, ist "die grösste Ehre, die es im Himmel und auf Erden gibt". Diese grösste Ehre wollte der Sohn Gottes für sich erwerben. Er wollte lernen - darf man das so formulieren? - was er noch nicht konnte, was nur ein Geschöpf lernen kann: Gehorsam sein gegen den Schöpfer, ihm folgen in einem Vertrauen, das die äusseren Ursachen nicht kennt, sondern sich einzig darauf verlässt, dass Gott gut ist und weiss, warum er seine Geschöpfe führt, wie er sie führt.
Weil er diesen Gehorsam gelernt hat, heisst es im Hebräerbrief, ist Jesus die Ursache einer ewigen Erlösung geworden für alle, die nun ihm gehorsam sind.
II
Gehorsam ist nicht gerade ein populäres Wort. Das hat äusserlich begreifliche Gründe. Im sogenannten 3. Reich unter dem sogenannten Führer Adolf Hitler ist der Gehorsam derart schrecklich missbraucht worden, dass ein denkender Mensch dieses Wort kaum mehr in den Mund nehmen mag. Im deutschen Sprachraum hat in der Folge die sogenannte Frankfurter Schule mit einem eingängigen Verstehensmuster die grauenhaften Ereignisse im Nationalsozialismus erklärt - so eingängig, dass es viele, auch mich, nachhaltig bestimmt hat im Denken und Empfinden. Ausgehend von den Gedankenmustern von Karl Marx und Sigmund Freud hat man den autoritären Staat und die autoritäre Persönlichkeit verantwortlich gemacht für die Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und damit "nie mehr so etwas geschehen kann" wurde ein zentrales Heilmittel angeboten: eine umfassende Aufklärung, die dazu führen sollte, dass alle alles nur noch aus Einsicht und nichts mehr in blossem Gehorsam tun. So ist das Wort "Gehorsam" aus unserer Sprache verschwunden und hat anderen Begriffen Platz gemacht. Vor allem ein Wort ist dabei wichtig geworden: Nicht Gehorsam, sondern Verantwortung fordern wir. Darin liegt viel Richtiges. Wir sind Personen und können und sollen persönlich antworten. Aber wenn das Wort "Verantwortung" das Wort "Gehorsam" vollständig ersetzt, geht etwas verloren, das grundlegend ist für alles Christliche. Mit äusserlich unscheinbaren, aber langfristig gewaltigen Konsequenzen richtet sich das Denken und Empfinden anders aus: Statt passiv zu hören, soll der mündige Mensch aktiv antworten. Er richtet sich nicht nach dem aus, was ihm vorgegeben ist, sondern nach dem, was werden soll. Nicht die geschichtliche Herkunft, sondern die erhoffte Zukunft lenkt das Wollen und Tun.
Jesus aber wollte den Gehorsam lernen. Und für Bruder Klaus war eben dies die grösste Ehre.
Darum, liebe Gemeinde, ist es ein gutes Zeichen, und es verheisst uns eine neue Ausrichtung in den Aufgaben für die Zukunft, wenn allmählich auch die Verstehensmuster, die sich in den Nachkriegsjahren etabliert haben, nun aufgebrochen werden und unsere Gedanken sich wieder öffnen, so dass wir auch das Wort vom Gehorsam neu bedenken können. Durch das Verhalten von Jesus ahnen wir, dass mit dem Gehorsam das Höchste und Grösste im Menschenleben auf dem Spiel steht, und dass man weder das Wort noch die Haltung, um die es geht, mit irgend etwas anderem ersetzen kann.
III
Denn wenn wir nicht mehr vom Gehorsam reden, heisst das ja noch lange nicht, dass wir den Gehorsam nicht üben. Im Gegenteil: Wir müssen gehorsam sein, sonst könnten wir nicht leben. Aber es ist wie ein ironisches Verhängnis: Je mehr wir aufgeklärt alles nur aus Einsicht tun wollen, um so mehr verdunkelt sich unser Verstehen, und wir lassen die einfachsten Zusammenhänge unbedacht und gewinnen kein reales Verständnis von unserem Dasein mehr.
Denn ohne dass wir das Wort brauchen, lernen wir täglich doch Gehorsam. Ganz selbstverständlich tun wir vieles, von dem wir nicht wissen, warum und wozu es gut ist. Um es ganz elementar anschaulich zu machen: Schon die kleinen Kinder müssen ihren Bedürfnissen gehorchen. Sie essen und trinken nicht, weil sie Einsicht haben in das Verdauungssystem und begreifen, wie die Nahrungsmittel in Energie verwandelt und in den Körper verteilt werden. Die Kinder essen und trinken nicht, weil sie verstehen, dass dies nötig ist, sondern weil sie müssen.
Aber auch in der grossen Geisteswelt geht es so. Auch der moderne Naturwissenschaftler muss gehorchen. Einer der ersten Denker, der zu verstehen versucht hat, was die Naturwissenschaft eigentlich tut, der Engländer Francis Bacon, schreibt ausdrücklich: "Die Natur wird nur durch Gehorsam überwunden." Er will sagen: Der Ingenieur kann nicht einfach befehlen, dass die Wassermassen sich stauen und dann eine Turbine antreiben, so dass elektrische Energie entsteht. Der Ingenieur muss die Naturgesetze beachten, muss ihnen gehorchen. Nur dann kann er einen Staudamm bauen und Elektrizität gewinnen. Er muss gehorchen, schreibt Bacon, und in dieser Formulierung klingt das Bibelwort mit. Die Natur ist nicht nur eine Sache. Sie ist von Gott erschaffen durch sein Wort. In ihren Ordnungen kann man eine Stimme hören, und von dieser Stimme lässt der Naturwissenschaftler sich führen, auch wenn ihm selber nicht bewusst ist, dass es die Stimme des Schöpfers ist. Und das auch in einem tieferen Sinn noch: Ein Naturforscher lässt sich auch Wege führen, die ihm unvertraut, vielleicht sogar unheimlich sind. Werner Heisenberg, der Entdecker der Quantenphysik, beschreibt in seinen Lebenserinnerungen, wie er von den Phänomenen, die er beobachtet hatte, zu Gedanken geführt worden ist, die ihn aus allem hinausgeführt haben, was er verstehen konnte. Dadurch ist er in unruhige Spannungen geraten, bevor er dann die Formeln gefunden hat und seine Beobachtungen wieder in einer allgemein verständliche Sprache formulieren konnte. Beobachten, nach-denken und dann beherrschen, sagen die modernen Forscher. Gehorsam sein, formuliert Bacon, und in dieser Formulierung schwingt mit, was ihn selber vielleicht nicht tiefer gebunden hat: Es geht darum, die Stimme des Schöpfers zu hören und ihr zu folgen. Das ist der Weg, den die Wissenschaft in ihren Erkenntnissen geht, ob sie es weiss oder nicht.
IV
Dieser Gehorsam ist unter den Menschen ein gegenseitiger. Ihr sollt einander gehorsam sein, schreibt Bruder Klaus. Die Kinder müssen ihren Eltern gehorchen, denn die Eltern - wenn sie vernünftig sind - sehen weiter und können manches überblicken, das die Kinder noch nicht zu beurteilen vermögen. Deshalb müssen die Eltern manchmal Gehorsam verlangen und darauf vertrauen: Später werden die Kinder selber einsehen, dass es gut war, was man von ihnen verlangt hat, und werden froh sein, hat man sie gezwungen.
Aber bevor die Kinder den Eltern gehorchen, müssen die Eltern den Kindern gehorsam sein. Ein Neugeborenes schreit, und schon kommt die Mutter gelaufen. Die kleinen Kinder haben ihren Rhythmus, und vieles im Familienleben muss sich nach diesen Bedürfnissen richten. Und wie viele Kinder haben ihre Eltern zurück zum Glauben geführt! Der Gehorsam ist ein wechselseitiger. Niemand ist immer nur oben, niemand immer nur unten. Die Bibel kennt keine einfache, geradlinige, alles umfassende Hierarchie.
V
Ganz alltäglich lernen wir so den Gehorsam. Aber es gibt die besonderen Stunden im Leben, in denen sich das Schicksal entscheidet - nicht nur das zeitliche, sondern das ewige Schicksal. Da stehen wir schutzlos vor Gott. Nur er kann den Anfang und das Ende überblicken. Nur er weiss, wozu er uns geschaffen hat und was er mit unserem Leben will. Und so kommen die bedrängenden Stunden, in denen wir es nicht mehr wegschieben und verdrängen können. Es wird uns unwidersprechlich: Jetzt muss ich. Jetzt will Gott von mir, was ich nicht will. Muss ich gehorchen? Bin ich bereit, seiner Stimme zu folgen? Auch wenn es unangenehm ist, vielleicht sogar sehr weh tut und Schmachvolles bringt?
Alle, die es erlebt haben, erzählen ähnlich davon. Zuerst ist die Erkenntnis da: ich bin gefragt. Das ist jetzt mein Auftrag, der Wille Gottes mit mir. Dann regen sich die Zweifel. Der innere Kampf bricht auf: Muss es wirklich sein? Ist es tatsächlich Gottes Wille? Und schliesslich ist die Ruhe da, ja, die Freude, die Gewissheit: ich muss nicht wählen! Ich darf gehorchen und die Verantwortung für alles weitere Gott übergeben. Er will es, er muss sorgen.
Auf sehr unterschiedliche Weise können wir in diese Lage gelangen. Eine Diakonissin hat erzählt, wie sie berufen worden ist. Sie hatte sich ihr Leben anders vorgestellt. Sie war verlobt, wollte eine fröhliche Mutter von vielen Kindern werden, und es wäre menschlich alles auch möglich gewesen. Aber dann war der Ruf da, und die Stimme im Gewissen, die gesagt hat: Du hast keine Wahl. Du musst gehorchen. Glaubst du an Gott, dass er es gut meint? Oder ist der Glaube nur ein frommes Gefühl für besondere Stunden?
Es ist nicht einfach, den Weg des Gehorsams zu gehen, gerade auch in unserer Zeit, in der selbst in den frommen Gemeinden der Gehorsam kaum ein Thema ist und man nur von der eigenen Entscheidung, von Visionen und Plänen und Absichten spricht.
Auch Niklaus von Flüe und seine Frau sind auf ihrem Weg zu der Erkenntnis gelangt, dass sie gehorchen müssen. Schmerzlich ist ihnen klar geworden: "Gott will es so haben", dass Niklaus seine Frau und seine Kinder verlässt. - Ähnlich sind auch die Jünger von Jesus seinem Ruf gefolgt, von allen weg (Lukas 18,28-30).
Oft aber ist der Ort, wo Gott uns in die Schule des Gehorsams nimmt, gar kein besonderer, sondern die alltägliche Gemeinschaft in Ehe und Familie. Die erste Liebe unter den Eheleuten ist nicht mehr da. Ein Partner wird dem anderen zur Last. Man schämt sich seiner und leidet an ihm. Manche Ehe wird so zu einem Garten Gethsemane, aus dem ein einsamer Mensch angstvoll ruft: "Vater, doch nicht das! Alles, aber nicht diesen Kelch! Es darf doch nicht sein, dass der Mensch, den ich geliebt habe, durch den sich mein Lebensschicksal entscheidet, sich gegen mich kehrt!"
Aber der Apostel Paulus sagt: Wer an Jesus Christus glaubt, darf sich nicht scheiden lassen, solange nicht der andere das will. Wenn der andere es begehrt, dann ja (1. Korinther 7,10 - 16). Keine selbsterwählte Qual! Man darf das Leiden nicht suchen. Aber wenn der Partner nicht will, dann ist der Wille Gottes klar: Was er zusammengefügt hat, soll kein Mensch auseinandernehmen (Markus 10,9). Gerade auch die Ehe kann der Ort sein, wo ich Jesus nachfolge und den Gehorsam lerne und mir die grösste Ehre erwerbe. Ich habe in meiner letzten Gemeinde einige Menschen, vor allem Frauen, kennengelernt, die diesen Weg gegangen und dabei reif geworden sind und eine Würde erlangt haben, die sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Gehorsam, die grösste Ehr!
Auf mancherlei Weise nimmt Gott die Seinen in diese Schule. Ein Amt, in das ich berufen worden bin, mein Beruf, eine Freundschaft... Hier oder dort führt Gott mich in Aufgaben, die mir zu schwer sind, an denen ich leide und meine Kräfte verzehre, und oft scheint es völlig sinnlos (Jesaja 50,4.5). Sogar auch die christliche Gemeinde kann zu einer solchen Schule des Gehorsams werden. Wir haben unsere Vorstellungen, wie eine echte, lebendige Gemeinde aussehen sollte. Die einen denken vielleicht an eine politisch wache, kulturell hochstehende, freie Geisteskultur, die man in der Gemeinde pflegen sollte. Andere möchten im Gemeindeaufbau eine persönlich innige Jesusgemeinschaft erlangen, und möchten die Vielfalt der Gaben als gegenseitige Bereicherung erfahren. So oder so möchten wir für andere erlebbar machen, wie zeitgemäss und lebendig und anziehend eine christliche Gemeinde ist!
Aber dann will Gott etwas anderes. Er will nicht nur schöne Gemeinschaftserlebnisse vermitteln. Er will uns im Gehorsam üben. Er will nicht tiefsinnig hohe Einsichten freisetzen, sondern will uns einbinden in ein vorbehaltloses Vertrauen. Er bindet uns hinein in eine lange, auch schuldhafte Geschichte des Glaubens und will, dass wir die Gemeinschaft mit früheren Generationen pflegen und uns ihrer nicht schämen. Und handfester noch: Gott stellt uns in der Gemeinde vielleicht sehr unbewegliche, innerlich gespreizte und hoffnungslos nach rückwärts orientierte Glaubensgeschwister zur Seite; oder er führt einfache, polterig grobe Gemüter in die Kirche und sagt: diese Menschen gehören zu dir, ihnen soll deine Aufmerksamkeit und Liebe gelten - jetzt sei mir gehorsam und übe dich in der Liebe und sage das mahnende Wort, wo eine Schuld es nötig macht, und trage die Schwäche des anderen geduldig...Und manchmal entstehen dabei Spannungen, in denen wir überhaupt nicht mehr weiter wissen, Schwierigkeiten, die sich mit keiner menschlichen Einsicht und keinem noch so guten Willen mehr überwinden lassen. Gerade da sind wir dann gerufen: Jetzt glaube, gehe den Weg des Gehorsams, der Stimme des guten Hirten nach, auch wenn es durchs Dunkle führt - bis dir geholfen wird!
Schliesslich aber (das ist heute bezeichnenderweise wieder besonders aktuell geworden) kann es auch um ein Letztes und Schwerstes gehen: eine unheilbare Krankheit zerstört den Körper. Erniedrigend, schmerzvoll, unbegreiflich nimmt sie ihren unbarmherzigen Gang. Wozu diese Krankheit erleiden? Ist es nicht besser, wenn die freundlichen Menschen von der Sterbehilfeorganisation kommen und einen kleinen Gifttrank bereitstellen, so dass ich selber wählen und mit Würde aus dem Leben scheiden kann? Warum die Krankheit erdulden, warum nicht sich rechtzeitig in eigener Verantwortung verabschieden? Da, liebe Gemeinde, sind wir zum letzten und entscheidenden Mal gefragt: Glauben wir an Gott? Glauben wir, dass er die Macht hat und heute noch mich sterben lassen kann - wenn er will? Glauben wir, dass er uns einen Weg führt, der über alles Verstehen schwer sein kann, der aber doch ein Ziel hat und eine grosse Ehre bringt? Glauben wir das?
VI
Warum aber sollen wir den Gehorsam lernen? Warum gehorchen, und nicht aus Einsicht wählen?
Die Bibel, liebe Gemeinde, sagt das nicht. Sonst wäre der Gehorsam nicht mehr Gehorsam, sondern wäre getragen von einer noch höheren Einsicht. Aber wir dürfen uns sicher unsere Gedanken machen, mit aller Bescheidenheit und Vorsicht. Ich persönlich denke, der Gehorsam ist das grösste, weil die Stimme tiefer dringt als alles Zeigen und Erklären, und wir beim Hören mehr und reiner aufnehmen als beim Sehen, was unser Gegenüber uns sagen will. Unser Gegenüber! Das ist das Zentrale: die Gemeinschaft zwischen Gott und uns soll ganz vorbehaltlos und unmittelbar sein. Und doch sollen wir uns als Personen nicht auflösen und hineinfliessen in Gott. Sondern er will uns und wir sollen ihm ein Gegenüber bleiben: zwei und doch eins. Die grösste Ehre ist, dass wir vollkommen eins sind mit Gott, ganz übereinstimmen mit ihm - und doch selbständig bleiben, im vorbehaltlosen Vertrauen auf sein Wort. So ist Abraham seinen Weg gegangen, auf dem es ihm die Stimme verschlagen hat, einen Weg, den er persönlich nicht mehr verantworten konnte, sondern auf dem er gehorcht hat zu seiner höchsten Ehre, bis Gott ihm die erlösende Antwort gegeben hat. Gott hat sich sein Opfer ersehen! Abraham und wir müssen dieses grösste Opfer nicht bringen! Wir müssen nur auf unserem Lebensweg für uns persönlich den Gehorsam lernen. Auf diesem Weg aber bekommt das Leben eine Kraft, eine Würde, die es sonst nicht hat. Statt dass die Tage verstreichen, einer so flach wie der andere, erhalten sie eine dunkle, unheimliche Tiefe, einen Glanz besonderer Art: Die grösste Ehre im Himmel und auf Erden! Amen.
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