Bekenntnis

In einem kleinen Kreis von Theologen und Theologinnen ist ein Bekenntnis ausgearbeitet worden, das entlang des Briefes von Bruder Klaus herauszuarbeiten versucht, wo die Aussagen des Friedensstifters heute zur Geltung kommen und was sie überlagert und umdeutet.
Dieses Bekenntnis möchte dazu beitragen, die inhaltlichen Fragen ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken, die ja weit wichtiger sind als die Fragen nach besseren Strukturen und effizienteren Arbeitsformen. Insbesondere kann das Bekenntnis helfen, Differenzen im Verständnis der Glaubensbotschaft zu erkennen, zu benennen und entsprechende Konflikte sachlich und respektvoll auszutragen.
An einem Arbeitstag im Flüeli-Ranft soll dieses Bekenntnis in einem grösseren Kreis  besprochen und einzelne Formulierungen verbessert oder korrigiert werden:
Montag, 28. August 2017, 9.30 bis 16.30 Uhr
Saal der Jugenduntzerkunft Flüeli-Ranft

Ein Bekenntnis in postmoderner Zeit, Arbeitstag am 28.August 2017
Reaktionen auf das Bekenntnis, insbesondere Änderungs- und Verbesserungsvorschläge, aber auch grundsätzliche Bedenken, werden gerne entgegengenommen: infoATstiftungbruderklaus.ch.

Nachfolgend das Bekenntnis in der Fassung vom Johannestag 2017:
Das Bekenntnis im PDF-Format zum Herunterladen

Ein Bekenntnis in „postmoderner“ Zeit
Stand 24. Juni 2017

„Niemand hat je Gott gesehen;
der Eingeborene, der im Schoss des Vaters ist,
hat ihn uns verkündigt“ (Johannes 1,18).

Wir glauben nicht, dass wir durch Vernunft oder Gefühl zu fassen vermögen, woher wir unser Dasein haben, und dass wir wissen können, was nach dem Tod auf uns wartet. Umso verwunderter sind wir, dass wir zum Vertrauen auf Jesus Christus gefunden haben. Ihm glauben wir, dass er uns zuverlässig kund tut, wer das Sichtbare und das Unsichtbare erschaffen hat und unserem Leben Ziel und Grenze setzt.

Was uns dadurch gegeben ist, sehen wir beispielhaft zusammengefasst in dem Brief, den nach dramatischen Kriegs- und Verhandlungsjahren der Einsiedler Niklaus von Flüe aus dankbarer Liebe formuliert hat. Diese Worte leiten uns, wenn wir in unserer Gegenwart neu zu klären versuchen, wem wir vertrauen und welche weit verbreiteten Annahmen wir deshalb als anmassend und irreführend erachten.

 

  1. Der Name Jesu sei euer Gruss
    Wir bekennen
    , dass die Völker im Namen Jesu Anteil bekommen haben an dem Segen, den der Schöpfer des Himmels und der Erde durch das eine, von ihm erwählte Volk Israel hat Wirklichkeit werden lassen. Um diesen Segen wollen wir bitten und ihn weitergeben.
    Wir glauben nicht, dass mit der modernen Zeit etwas Wirklichkeit geworden ist, das diese Gottesgabe ersetzen oder gar überbieten kann. Deshalb widersprechen wir allen Deutungen, die vom Evangelium nur das gelten lassen, was der Idee von einem menschheitlichen Fortschritt dient.
  2. Ich, Bruder Klaus von Flüe
    Wir bekennen
    uns zu den Boten, die einst von Jesus selber beglaubigt und beauftragt worden sind, und zu ihren Nachfolgern, die mit dem Einsatz ihres Lebens dem Evangelium gedient und es uns lieb gemacht haben. Ihre Worte und Werke wollen wir in Ehren halten.
    Denn wir glauben nicht, dass wir ohne diese Rückbindung die Zukunfts­hoffnungen recht zu beurteilen vermögen, und dass charisma­tische Erfahrungen, persönliche Entscheidungen und mystische Erkenntnisse genügen, um uns von den Vorurteilen unserer Zeit frei zu machen. Darum wollen wir uns nicht vereinnahmen lassen von dem, was Momente lang zu begeistern vermag.
  3. Wir wünschen euch viel Gutes und danken euch viel Gutes und der heilige Geist sei euer letzter Lohn
    Wir bekennen
    uns dazu, dass wir getauft sind auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und im Abendmahl die Vergebung empfangen, die Christus am Kreuz auf Golgatha erworben hat. Aus dieser uns geschenkten Gerechtigkeit wollen wir leben.
    Wir glauben nicht, dass sich jemand etwas so über alles Verstehen Trostreiches gewünscht hat wie das, was durch Christus nun real begründet ist. Das scheidet uns von allen, die davon ausgehen, dass das Evange­lium nichts Neues schafft, sondern nur zum Ausdruck bringt, was das natürliche Bedürfnis aller Menschen ist.
  4. Von Liebe wegen schreibe ich euch mehr
    Wir bekennen
    uns zu der Liebe Gottes, mit der er durch die Worte der Bibel zu uns spricht, uns aufklärt und auf den schmalen Weg eines bescheidenen, dankbaren und opfermutigen Erkennens führt. Geleitet vom Heiligen Geist wollen wir danach streben, den hohen Weg der Liebe zu gehen, die nicht das Ihre sucht.
    Wir glauben nicht, dass die Wissenschaften Erkenntnisse gewonnen haben, die wahrer sind als die biblischen Worte, so dass wir deren Recht und Reichweite mit vorgefassten Verstehensmodellen eingrenzen müssten. Aus diesem Grund widersprechen wir allen Deutungen, die das Evangelium einem philosophischen oder einem theologischen Vorverständnis unterwerfen.
  5. Gehorsam ist die grösste, die im Himmel und auf dem Erdreich ist. Darum sollt ihr schauen, dass ihr einander gehorsam seid
    Wir bekennen
    , dass Gott Liebe ist. Er drängt uns, auf ihn zu hören und einander in Ehrerbietung zuvorzukommen. Darum wollen wir der Stimme des guten Hirten folgen, unser Kreuz tragen und auf unsere Mitgeschöpfe hören.
    Wir glauben nicht, dass die Freiheit uns dazu befreit, nach einem privaten Glück zu streben und von den Lasten unserer Nächsten unbeschwert zu bleiben. Deshalb widersprechen wir allen Deutungen, die aus dem Evangelium den Ruf zur Selbstverwirklichung herauslesen.
  6. Weisheit ist das allerliebst deswegen, weil sie alle Dinge zum Besten anfängt
    Wir bekennen
    , dass die Weisheit Gottes den Menschen, Tieren und Pflanzen ihr schön geordnetes Dasein verleiht. Diese Lust am Leben wollen wir pflegen.
    Wir glauben nicht, dass die Freude am Dasein sich ablösen lässt von dem, was uns naturhaft gegeben ist. Deshalb erachten wir es als töricht, davon abstrahieren zu wollen, dass jeder Mensch von einer Mutter geboren und einem Vater gezeugt worden ist, und wollen uns nicht vereinnahmen lassen von dem Versprechen, alles werde gut, wenn wir es nur gut heissen.
  7. Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried, und Friede mag nicht zersört werden, Unfriede aber würde zerstört
    Wir bekennen
    uns zu dem Frieden Gottes, der über allem Weh der Welt und allen Streitigkeiten unter den Menschen Bestand hat. In diesem Frieden wollen wir Zuflucht und Hoffnung suchen.
    Wir glauben nicht
    , dass irgendeine Macht dieser Welt die Menschen auf Dauer versöhnen und etwas schaffen kann, das die Leiden dieser Zeit aufwiegt. Darum widersprechen wir dem Anspruch, dass die Zusagen des Evangeliums innerweltlich zu verwirklichen seien.
  8. Darum sollt ihr schauen, dass ihr auf Fried abstellt, Witwen und Waisen beschirmt, wie ihr noch bisher getan
    Wir bekennen
    uns zu der Gerechtigkeit, die das Recht der Machtlosen schützt. Darum wollen wir alles uns Mögliche tun, damit die Barmherzigkeit nicht erkaltet.
    Wir glauben nicht, dass die Sorge für die Hilfsbedürftigen lebendig bleibt, wenn sie mit Gesetzesvorschriften, Steuer­geldern und Sozial­beiträgen abgesichert zu sein scheint. Deshalb widersprechen wir allen Deutungen, nach denen das Evangelium den Ausbau des Sozialstaates fordert.
  9. Und wes Glück sich auf dem Erdreich mehret, der soll Gott dankbar dafür sein, so mehret es sich auch im Himmelreich
    Wir bekennen
    , dass gnädige Fügungen und der Fleiss vorangehender Generationen uns vieles geschenkt haben, das unser Leben leichter und glücklicher macht. Dafür wollen wir dem Geber aller guten Gaben danken.
    Wir glauben jedoch nicht, dass wir unsere Bestimmung erfüllen, indem wir diesen Wohlstand immer noch weiter ausbreiten. Darum wollen wir uns nicht vereinnahmen lassen von Deutungen, die aus dem Evangelium das Versprechen von Erfolg und Wohlergehen herauslesen.
  10. Den offenen Sünden soll man widerstehen und der Gerechtigkeit allweg beistehen
    Wir bekennen
    , dass wir uns an Gott versündigen und er sich deshalb von uns abwendet. Dem wollen wir die Bereitschaft zur Umkehr entgegenhalten, die gegen das Entwürdigende ankämpft und gegen offensichtliche Verfehlungen Zeugnis ablegt.
    Denn wir glauben nicht, dass ein Gemeinwesen Bestand haben kann, wenn es den Unterschied zwischen Recht und Unrecht vergleichgültigt und die Unmoral triumphieren lässt. Das scheidet uns von allen, für die das Evangelium niemals eine Drohbotschaft sein darf.
  11. Ihr sollt auch das Leiden Gottes im Herzen tragen, denn das ist des Menschen grösster Trost an seinem letzten End
    Wir bekennen
    , dass Gott leidet an dem, was wir Unrechtes tun und lieblos geschehen lassen. Aus dem Geheimnis, dass Christus für uns gelitten hat und mit uns leidet, wollen wir den Trost schöpfen für alles, das uns kränkt und Angst macht.
    Wir glauben nicht, dass wir ohne Leid erlöst werden können aus dem Leib des Todes. Das scheidet uns von allen, die das Leiden entwerten und davon ausgehen, die menschliche Würde bestehe im Recht auf Selbstbestimmung.
  12. Es ist mancher Mensch, der ist zweifelhaftig am Glauben … Wir sollen aber nicht zweiflerisch sei
    Wir bekennen
    uns zu dem Kampf, in den der Glaube uns stellt. Umso weniger wollen wir mit unseren Zweifeln kokettieren, als ob eine alles relativierende Skepsis dem Frieden diene.
    Wir glauben nicht, dass ein differenziertes Problembewusstsein die Grundlagen für ein geduldiges Miteinander legen kann, und widersprechen der Behauptung, dass das Evangeliums Anlass gebe zu einer immer offenen Suchbewegung, für die keine Grenzmarken und kein Ziel festgelegt sind.
  13. Der Teufel tut manchen Einfall durch den Glauben und allermeist durch den Glauben
    Wir bekennen
    , dass auch wir durch den Glauben in Gefahr geraten, uns besser als andere zu fühlen und mit selbstgerechten Urteilen dem Bösen zu dienen. Umso mehr wollen wir wachsam sein, unser Denken der Kritik des Evangeliums aussetzen, uns an die Rechtsordnungen halten und darum beten, dass Gott uns nicht in Versuchung führt.
    Denn wir glauben nicht, dass wir von Schuld bewahrt bleiben dadurch, dass wir jeden Glaubenseifer vermeiden. Das scheidet uns von allen, die meinen, sie könnten fundamentalistische Rechthabereien überwinden dadurch, dass sie das Bibelwort relativieren.
  14. Ich schreibe euch nicht darum, weil ich glaubte, ihr glaubet nicht recht; mir zweifelt nicht daran, dass ihr rechte Christen seid
    Wir bekennen
    uns zu Christus und werden deshalb Christen genannt. Wir wollen aber unser Möglichstes tun, damit die Menschen nicht über uns Christen, sondern über Christus nachdenken und reden.
    Denn wir glauben nicht, dass sich ein reifes Urteilsvermögen bilden kann, solange Christus aus der öffentlichen Meinungsbildung ausgeschlossen ist. Deshalb widersprechen wir der Annahme, das Evangelium dürfe nur als eine private Glaubensüberzeugung Respekt und Kenntnisnahme fordern.
  15. Gegeben auf St. Barbaratag im 82. Jahr
    Wir bekennen
    , dass Gott Menschen beruft und ausrüstet, damit sie als Hirten und Lehrer der Gemeinschaft des Glaubens dienen. Darum wollen wir solche Menschen ehren und respektvoll bewahren, was Gott durch sie aufgebaut und zum Leuchten gebracht hat.
    Wir glauben nicht, dass wir ein Recht haben, von Gott Besseres zu fordern als das, was er in Zeiten der Gnade hat werden und wachsen lassen. Das scheidet uns von allen, die das Evangelium lesen, als sei es direkt nur an sie gerichtet, losgelöst von dem, was der Heilige Geist von einer Generation zur anderen gewirkt hat.

 

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